Mar 27, 2005
Erich Fried – Gedanken
Man sagt ja, dass manche Frauen einen Tick für Kleidung und vor allem für Schuhe haben. Da soll es schon vorkommen, dass das weibliche Geschlecht Stunden in einem Schuhladen verbringt.
Tja, ich kann das nachvollziehen. Für mich gibt es diese Sucht nach dem Neuen und Unbekannten ebenfalls, und zwar in der Form einer Buchhandlung. Dort kann man ganze Nachmittage damit verbringen, durch die Räume zu gehen, sich ein unbekanntes Werk zu schnappen und einfach anzufangen zu lesen. Bei mir so geschehen bei Douglas Coupland, der übrigens laut Answers.com dieses Jahr noch ein neues Buch herausbringt (“jPod” – klingt doch verdächtig nach iPod).
Aber zurück zum Thema – der Buchhandlung. Da stand ich, undschuldig wie immer, und was erfreute meine Augen? Zwei Gedichtsbände von Erich Fried (“100 Gedichte ohne Vaterland” und “Reich der Steine”). Nur soviel: Es war um mich geschehen.
Höre, Israel!
Als wir verfolgt wurden war ich einer von euch Wie kann ich das bleiben wenn ihr Verfolger werdet?
Eure Sehnsucht war wie die anderen Völker zu werden die euch mordeten Nun seid ihr geworden wie sie
Ihr habt überlebt die zu euch grausam waren Lebt ihre Grausamkeit in euch jetzt weiter?
Den Geschlagenen habt ihr befohlen: “Zieht eure Schuhe aus” Wie den Sündenboch habt ihr sie in die Wüste getrieben
in die große Moschee des Todes deren Sandalen Sand sin doch sie nahmen die Sünde nicht an die ihr ihnen auflegen wolltet
Der Eindruck der nackten Füße im Wüstensand überdauert die Spur eurer Bomben und Panzer
Erich Fried geht hier, meiner Meinung nach, anders vor, als sonst für ihn üblich. Es ist eine direktere Art, man merkt, dass für ihn der Staat Israel nicht das verkörpert, an das er als Jude glaubt. Es ist keine versteckte Kritik, sondern eine durchaus offene und aggressive Form. Untypisch für ihn, wenn ihr mich fragt.