Man sagt ja, dass manche Frauen einen Tick für Kleidung und vor allem für Schuhe haben. Da soll es schon vorkommen, dass das weibliche Geschlecht Stunden in einem Schuhladen verbringt.
Tja, ich kann das nachvollziehen. Für mich gibt es diese Sucht nach dem Neuen und Unbekannten ebenfalls, und zwar in der Form einer Buchhandlung. Dort kann man ganze Nachmittage damit verbringen, durch die Räume zu gehen, sich ein unbekanntes Werk zu schnappen und einfach anzufangen zu lesen. Bei mir so geschehen bei Douglas Coupland, der übrigens laut Answers.com dieses Jahr noch ein neues Buch herausbringt (”jPod” - klingt doch verdächtig nach iPod).
Aber zurück zum Thema - der Buchhandlung. Da stand ich, undschuldig wie immer, und was erfreute meine Augen? Zwei Gedichtsbände von Erich Fried (”100 Gedichte ohne Vaterland” und “Reich der Steine”). Nur soviel: Es war um mich geschehen.
Höre, Israel!
Als wir verfolgt wurden
war ich einer von euch
Wie kann ich das bleiben
wenn ihr Verfolger werdet?
Eure Sehnsucht war
wie die anderen Völker zu werden
die euch mordeten
Nun seid ihr geworden wie sie
Ihr habt überlebt
die zu euch grausam waren
Lebt ihre Grausamkeit
in euch jetzt weiter?
Den Geschlagenen habt ihr befohlen:
“Zieht eure Schuhe aus”
Wie den Sündenboch habt ihr sie
in die Wüste getrieben
in die große Moschee des Todes
deren Sandalen Sand sin
doch sie nahmen die Sünde nicht an
die ihr ihnen auflegen wolltet
Der Eindruck der nackten Füße
im Wüstensand
überdauert die Spur
eurer Bomben und Panzer
Erich Fried geht hier, meiner Meinung nach, anders vor, als sonst für ihn üblich. Es ist eine direktere Art, man merkt, dass für ihn der Staat Israel nicht das verkörpert, an das er als Jude glaubt. Es ist keine versteckte Kritik, sondern eine durchaus offene und aggressive Form. Untypisch für ihn, wenn ihr mich fragt.